die Stiftung/der Stifter/

Gründer der Stiftung

Sigmund Nissenbaum

Sigmund Schimon Nissenbaum wurde am 25. Juli 1926 als Sohn von Laib und Hanna Nissenbaum in Warschau geboren. Er war der Jüngste von fünf Geschwistern und wuchs im Warschauer Stadtteil Praga auf.

Die Familie betrieb in Warschau und in der Umgebung mehrere Ziegeleien, sowie ein Bauunternehmen.

Nach der Besetzung Warschaus durch die Nationalsozialisten wurde Sigmund und seine Familie ins Warschauer Ghetto in die Miela Strasse umgesiedelt. Der Familienbesitz mit den Unternehmen wurde enteignet.

Doch schon im Alter von 13 Jahren wusste sich Sigmund auf diese schweren Zeiten einzustellen. Er transportierte Nahrungsmittel ins Ghetto, um so seine Familie mit dem Nötigsten zu versorgen. Später kam auch die Versorgung für den Aufstand des Warschauer Ghettos hinzu. Bei diesen gefährlichen Unternehmungen wurde er mehrmals gefasst, entkam jedoch immer der Deportation.

Bis zum April 1943, nach der Niederlage des Warschauer Ghettoaufstandes wurde seine Familie und er vom Umschlagplatz in Warschau in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Dort wurden seine Mutter und Familienangehörige in den Gaskammern ermordet.

Sigmund, sein Bruder Josef und sein Vater Laib gelang es als Spezialisten für Sonderarbeiten diesem Vernichtungslager Treblinka zu entkommen.

Als Spezialisten, Mechaniker, Erfinder wurden sie von Majdanek, Lublin, Budzyn, Auschwitz, Flossenbürg, Herzburg bis nach Offenburg in Deutschland verschleppt. Wenige Tage vor der Befreiung 1945 verlor Sigmund seinen Vater Laib. Er wurde zusammen mit 41 Häftlingen auf der Krankenstation in Offenburg ermordet. Sein Bruder Josef und er sollten anschließend den Tod durch Ertrinken im Bodensee finden. Doch der Eisenbahntransport dahin wurde von den alliierten Truppen bei Geisingen aus der Luft angegriffen. Einer kleinen Gruppe, darunter Sigmund und sein Bruder Josef, gelang dabei die Flucht in den Wald. In Donaueschingen wurden sie schließlich von der französischen Armee befreit.

Nach Ende des Krieges 1945 kam Sigmund Nissenbaum nach Konstanz, wo er schon bald mit seinem Bruder Josef und anderen Kameraden eine Jüdische Gemeinschaft gründete.

Sigmund sah es zu einer seiner ersten Aufgaben, in dem Massengrab in Offenburg, wo sein Vater Laib und andere seiner ermordeten Kameraden begraben waren, ein würdiges Andenken zu schaffen.

Während sein Bruder in den folgenden Jahren in die USA auswanderte, sah Sigmund in Deutschland seine Herausforderung und Aufgaben die schrecklichen Erlebnisse unter dem Volk seiner Peiniger zu verarbeiten, als Mahnung und Erinnerung aus den Taten zu lernen und nicht zu vergessen. So errichtete er eine Synagoge zum Gedenken seiner ermordeten Eltern und Geschwister in seinem privaten Haus ein.

Mit dem Bau dieser Synagoge in Konstanz hauchte er neues jüdisches Leben am Bodensee ein. Bis heute ist dieser Betsaal die einzige private Synagoge in Deutschland, der einer jüdischen Gemeinde unentgeldlich zur Verfügung steht und wird von der Familie Nissenbaum so weitergeführt.

In Konstanz gründete Sigmund Nissenbaum mit seiner Ehefrau Sonja eine Familie mit Ihr 3 Kindern. Im Jahre 1983 reiste Sigmund mit Ehefrau Sonja und Sohn Gideon, das erste Mal nach dem 2. Weltkrieg, nach Polen. Bei den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag des Warschauer Ghettoaufstandes, wollte er auch die Grabstätten seiner Vorfahren in Warschau besuchen. Doch, was er dort antraf waren zerstörte und geschändete Friedhöfe. Zerschlagene Grabsteine, Knochen, Gebeine, ein Bild der Verwüstung, das Sigmund so erschütterte, dass er beschloss sich diesem Anzunehmen und mit privaten Mitteln die geschändeten Stätten des Judentums in Polen zu restaurieren.

So entstand 1983 die Idee die Gründung der Stiftung der Familie Nissenbaum. Es war die erste Stiftung nach dem Krieg in Polen, die damit für viele Institutionen in Polen, die Grundlage und Möglichkeit für die Gründung weiterer Stiftungen schaffte.

Bis zum Jahr 2004 hat die Stiftung der Familie Nissenbaum über 200 Friedhöfe wiederhergestellt, Massengräbern ein würdiges Andenken gegeben und Gedenkstätten errichtet.

Bis zu seinem Tode am 11. August 2001 widmete er sich unentwegt der Mission. Die Spuren des Judentums in Polen für die Zukunft zu erhalten. Für sein Schaffen erhielt er mehrere hohe Auszeichnungen, unter anderen dem Verdienstorden der Republik Polen und dem Kreuz von Auschwitz.